Vorwort zur nationalen Versőhnung und staatsrechtlichen Verständigung.

 [Úvod k národnímu usmíření a státoprávnímu uvědomění.]

Karel Villani, Prag 1879, Buchdruckerei "SLAVIA" in Prag.

 

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Wenn wir um den Impuls zur Schaffung einer Basis zu geben die nachfolgenden Betrachtaugen der Oeffentlichkeit űbergeben, so thuen wir es, um zwischen zwei Nationalitäten ein Einvernehmen zu befűrworten, damit ein vom Schőpfer gesegnetes Land endlich zur verdienten Ruhe und Wohlfahrt gelange.

Der Rahmen unserer Zeilen ist jedoch viel zu knapp, um die massgebenden Faktoren eingehend zu beleuchten, und unser Programm viel zu vorwortlich, um der Ausfűhrung jenen Relief geben zu kőnnen, der wűnschenswerth wäre, wenn es sich um die absolute Beweisfűhrung der von uns dargelegten Ansichten handelte. Dazu ist weder der Platz in einer nur zur Anregung bestimmten Broschűre, noch ist es der Moment in dem leider noch die Parole der leitenden Ideenträger mehr Gewicht hat, als das Bewusstsein der geleiteten Kräfte.

Die Behelfe, welche unserer Absicht dienen sollen, műssen sich auf die allgemeinsten Wahrheiten beschränken, und einem Kahne gleichen, der sich auf den hochgehenden Wogen der schroffsten Ansprűche glűcklich bis zu einer Ruhestätte durchwindet,

 

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von der man mit kűhler Ueberlegung und wohlmeinend gerechter Beurtheilung das zum Ziele fűhrende Ruder kräftig ergreifen kann.

Es wűrde uns zu weit fűhren, wenn wir des Breiten űber Natur, Staats- und Vőlkerrecht sprechen, und aus den resultirenden Grundwahrheiten dieser Rechte die begrűndeten Ansprűche unseres Vaterlandes ableiten wollten. Nur von diesem Standpunkte den Kampf um's Recht zu fűhren, sollte sich schon längst als műssig erwiesen haben. Das hiesse einen staatsrechtlichen Prozess fűhren, dessen Kosten schlűsslich beide Theile bezahlen műssten. Die Theorie wird ewig das moralische Recht an ihrer Seite haben; aber das fait accompli wird eben auch so lange an seinem Rechte festhalten, als nicht ein anderes thatsächlich an seine Stelle tritt. Namentlich in der Politik sind die Rechte so dehnbar, dass es gar oft nur eines geringen Masses diplomatischer Sofistik bedurfte, um den Ruin ganzer Vőlker herbeizufűhren, und die vermeintIichen rechtlichen Ursachen hiefűr der Nachwelt mundgerecht zu machen. Die Lenker derartiger Gewalt und Machtexcesse haben sogar den Muth, den Begriffen ihres Rechtes die kulturelle Entwickelung der Menscheit vorzuschieben und unter dem faltenreichen Mantel ihrer Besorgniss um die Wohlfahrt der Welt gute Geschäfte zu machen. Beweise anzufűhren wird uns wohl jeder gerne erlassen, da jedes Blatt der Geschichte deren all zu viele vorfűhrt. Ob aber Jedermann geneigt ist der warnenden Stimme derselben Gehőr zu schenken, ist allerdings eine andere Frage.

Die Griechen und Rőmer, die Tataren und

 

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Mongolen spielten ein gutes Stűck Weltgeschichte ab und űberall finden wir das Bewusstsein der stolzesten Vergangenheit ohne geringster Kenntniss der nach und nach sich immer jammervoller gestaltenden Gegenwart, geschweige denn auch nur die leiseste Ahnung ihres kűnftigen Verfalls.

Das Volk ist ein gar sonderbar gegliedertes Individuum, das dem einzelnen Menschen mit all seinen Urtheilen und Vorurtheilen, Tugenden und Untugenden, allen seinen Leidenschaften, hauptsächlichst aber seinem Grőssenwahne vollkommen gleicht. Wer sich die Műhe nimmt das gewőhnlichste Alltagsleben nur vorűbergebend zu studieren, findet in allen Sphären tausend Belege fűr den leider allzuraschen Wechsel des Schicksals wie im Kleinen so im Grossen.

Hier ein hoher Staatsbeamte, dessen Unterschrift űber das Wohl und Weh eines Volks entschied; da der Träger eines uralten aristokratischen Geschlechtes, dessen Voreltern mit Grundkomplexen wie mit Ostereiern spielten, ihr eigen Geld prägten und nicht nur auf ihr Vaterland; sondern auch auf fremder Herren Länder massgebenden Einfluss űbten; dort ein Dynast, dessen Scepter jűngst noch űber Millionen herrschte, dessen Schwert in mőrderischen Schlachten in allen Welttheilen entschied, dessen Blick und Laune die materielle Thätigkeit des intelligentesten Erdtheils blindlings auf Bahnen zu ebenso grosser Verarmung wie ungeahnter Bereicherung lenkte: - - ja das Heligste, die Kirche, vor der sich Kaiser und Kőnige beugten, vor der Asien erbebte und Europa sich nach ihrer mehr weniger zugeneigten Huld gestaltete, die von ihrer

 

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historischen Machthőhe bis auf die neuesten Zeiten die Geműther der Gläubigen mit immer neuer Nahrung der Ueberzeugungskraft zu versehen verstand, die zu der ihr gebűhrenden moralischen Präpotenz die Welt auch politisch zu erobern strebte: - - űberall, wo wir nur hinseh'n, präsentirt sich uns das Verzeichniss der mit Lapidarschrift auf der Warnungstafel des Vőlkerlebens eingeprägten, wechselvollsten Begebenheiten sammt ihren thatsächlichen Folgen und dennoch rechnen wir immer und immer wieder mit längst abgethanen Dingen und beschäftigen uns mit Vorliebe mit alle dem, was war ohne uns darum zu kűmmern, was die Gegenwart uns bringt. Mit mehr als kindischer Naivität erzählen wir von dem und jenem Vojevoden; mit haarsträubender Aengstlichkeit klammern wir uns an die morschen Pforten alter Burgen an; mit simulirter Ueberzeugung schwärmen wir fűr die reinen Intensionen zweifelhafter Freunde, und geben uns ein Mal auf Abwege gerathen den Anschein, den richtigsten Weg gefunden zu haben!

Leidenschaftlich fűhren wir uns die glűcklichen Momente der Vergangenheit vor ohne der unheilvollen zu gedenken und versäumen so den rechtzeitigen Eingriff in das fruchtbringende Fűllhorn der uns beschiedenen eigenen Tage.

Wie der vom Unglűck heimgesuchte Mensch, der sich nicht dem Kitzel frűherer Macht, nicht dem Genusse seines frűheren Reichthums, nicht den eitlen Vorurtheilen seines Ahnrechts auf das Gewesene und Gehabte zu entschlagen vermag, um frisch und muthig auf neuer seinen Verhältnissen

 

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und Kräften entsprechenden Bahn vieles zu retten, wohl gar noch mehr zu erringen, gewiss zu Grunde geht; ebenso ergeht es einem ganzen Volke, welches pochend auf den reichen aber leider bestrittenen und von fremder Rand sequestrirten Nachlass seiner Vorfahren nicht die Ueberwindung und das Verständniss hat, seine Ansprűche den gegebenen Verhältnissen anzupassen und selbe nach und nach zur mőglichsten, wo nicht gar zur vollen Geltung zu bringen.

Jeder Staat hat eine eigene Gliederung und jedes Volk eine eigene, manches eine eigenthűmliche Stellung. Die beiden Vőlker unseres Vaterlandes haben die letztere.

Wie jeder sich nicht nur seines Rechtes, sondern auch seiner Stellung, seiner geistigen und materiellen Kräfte bewusst sein muss, und zudem noch alle ihn umgebenden bestehenden Verhältnisse genau zu prűfen, zu beurtheilen und zu berechnen gezwungen ist, um den richtigen Lebenspfad darnach einzuschlagen und den grősstmőglichsten Vortheil zu seiner Egistenz zu erringen: so hat auch ein Volk die Pflicht kluge Umschau um sich her zu halten, und den Prűfstein an alle mőglichen es berűhrenden Rechtsund sonstige Verhältnisse zu legen. - Wenn wir daher im Namen unserer zweisprachlichen Bevőlkerung fűr deren Ehre und Wohlfahrt einsteh'n und wirken wollen: so műssen wir vor allem andern wissen, wo wir sind und unter welchen Verhältnissen wir uns befinden. Der Verlauf der Zeiten und ihrer Begebenheiten hat uns an Oesterreich verwiesen und mit demselben eng verknűpft. In diesem schőnen Reiche nimmt unser Vaterland nach den

 

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Erbverträgen der bőhmischen Dynastien mit dem Hause Habsburg und nach der Abdankungsurkunde von Aachen als Kőnigreich Bőhmen den nordwestlichen Theil desselben ein und ist ein fruchtbares, industrielles, seiner Grősse nach ein ganz stattliches, von Slaven und Deutschen seit undenklichen Zeiten bewohntes Land.

Damit ist unsere Position klar gestellt.

Ein denkwűrdiges Schreiben nach Frankfurt erklärt mit Recht, wenn es kein Oesterreich gäbe, műsste man es schaffen; - - unserer Ansicht nach ohne Zweifel um die vielen verschiedenen Nationalitäten gegenseitig zu verbinden; nicht aber bunte geographische Figuren aneinander zu ketten; was dem Erfinder des geflűgelten Ausspruches auch vorgeschwebt haben mag.

Da Oesterreich vermőge seiner Ausdehnung viele und bedeutende Berűhrungspunkte hat, so ist es selbstverständlich, dass Bőhmen seine Aufmerksamkeit auch jenen Staaten und Vőlkern zuwenden muss, die weit ab von seinen Marken ohne momentane Rűckwirkung auf dasselbe situirt sind, weil jeder Konflikt nach Aussen seine vitalsten Interessen empfindlich berűhrt.

Wenn uns das politisch-etnografische Bild von Europa nur flűchtig vorűber schwebt, so prägen sich die weiten Gebiete des Nordens tief in unsere Seele ein, und wir fűhlen nicht nur den Einfluss, der von da auf unser Vaterland ausgeűbt wird; sondern ahnen auch die natűrlichen Folgen desselben.

Russland und Preussen-Deutschland.

Hier treten alle Fragen in den Vordergrund.

 

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Die politische, wie die nationale, die kirchliche wie die staatliche, die nationalőkonomische wie die in jűngster Zeit eminent dominirende militärische, die alle sich kreuzen, mit einander wetteifern, sich je nach der Strőmung der massgebenden Faktoren und der Zeitverhältnisse näher oder weiter rűcken, eine von der andern űberflűgelt abwechselnd Stellung nehmen, und so ihrer Lősung mittelst friedlicher Verständigung oder durch die Macht und Gewalt des Schwertes harren.

Wenn uns auch der Westen mit seiner Kultur zunächst berűhrt, der Sűden durch seine Nationalität und durch die Tragweite seiner kirchlichen Strőmung in's Mitleiden zieht und der Osten uns durch seine naheliegenden volkswirthschaftlichen Verhältnisse hoch interessirt: so glauben wir dem mahnenden Fingerzeige der Geschichte am sichersten Rechnung zu tragen, wenn wir unsere Kompatrioten gleichviel ob deutscher oder slavischer Zunge auf's dringendste bitten, der zweischneidigen Strőmung des Nordens die grősste Aufmerksamkeit zu schenken.

Der Norden wird das Wohl und Weh unserer gesammten Bevőlker ung entscheiden, wenn es diese nicht verstehen wird noch frűhzeitig genug sich selbst ihr eigenes Los zu bereiten.

Gegen die mächtigen Einflűsse des Nordens und gegen die herannahende Fluth seines kolossalen nationalen Berechtigungsdranges kann nur ein grosser und mächtiger Staat uns schűtzen.

Bőhmen ist geografisch so gelegen und etnografisch so bewohnt, dass es űber kurz oder lang

 

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der Schauplatz des entscheidenden Kampfes fűr seine Existenz werden wird und muss, wenn die beiden Nationalitäten nicht bald zur nationalen Versőhnung und staatsrechtlichen Verständigung gelangen.

Unwillkűhrlich wirft sich uns die Frage auf, welche von beiden Nationalitäten ein grősseres Interesse an dieser Versőhnung und Verständigung habe?

Ohne nach Kőpfen zu zählen und nach Steuern zu rechnen, an dieser oder jener Intelligenz zu nergeln, űber Standes-, Glaubens- und Gesellschaftsverhältnisse zu grűbeln, ohne nach Quadratmeilen die sprachliche Ausdehnung zu prűfen: - kőnnen wir nach unserem Verständnisse der Dinge nicht anders urtheilen, als dass es fűr beide vom gleichen Interesse und hőchste Zeit ist auf diesem Wege das Wohl ihres Volkes zu főrdern und ihr gemeinsames Vaterland einer gesicherten Zukunft zuzufűhren Der Beweis liegt auf der Hand; denn kein Politiker von gesundem Verstande wird es läugnen, dass Oesterreich ein Conglomerat von Nationalitäten ist, die sich nur auf Grundlage des Versőhnungs und Verständigungsprinzipes entwickeln, gegenseitig fortschrittlich főrdern und durch Aufrichtung eines Machtstaates ihre eigene Existenz sichern kőnnen. Wenn man auch keiner dieser Nationalitäten das Selbstbestimmungsrecht abspräche; so ist doch keine stark genug um sich von der andern zu emancipiren und dieses ihr natűrliches Recht durchzufűhren, ohne das Staats- oder das sonstige Recht des eigenen Landes und das des ganzen Reiches űber den Haufen zu werfen; denn leider haften

 

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nicht den einzelnen Nationalitäten, sondern den geografisch abgegränzten Ländern die verbrieften Rechte an. Ungarn und Bőhmen waren seit jeher verbriefte Staaten im Staate. Ungarn ist die Durchfűhrung gelungen; doch was es selbst erreicht, wird es űber kurz oder lang an dem Grossfűrstenthume Siebenbűrgen und an dem dreieinigen Kőnigreiche erleben, wenn nicht noch ein grősserer Abfall stattfindet.

Ausgleiche, welcher Art immer sind und bleiben Paliativmittel, nichts ander es als ver zőgernde Egperimente zur Erhaltung der staatsrechtlichen Individualität, die nur so lange Werth haben, als der dominirende Faktor die Gewalt hat, sich auf der Obefläche zu erhalten.

Jedes in Oesterreich mit was immer fűr Rechten ausgestattete Land ist hier von einer dort von mehreren Nationalitäten so grűndlich dur durchfurcht, dass das Recht des jeweiligen Landes den dasselbe bewohnenden Nationalitäten als das unbequemste Bindungsmittel erscheinen muss, da eine die repräsentative Trägerin desselben auf Rechnung der andern sein muss. Darum der ewige Hader um einen oder den andern Kopf der Mehrzahl; der unleidliche Streit um einen oder mehrere Gulden der Steuerabfuhr; der heillose Wirrwarr der Geschäftgebahrung, die unseligen Missverständnisse zwischen Billigkeit und Recht, der permanente sprachliche Krieg, das stäte Misstrauen, das ungewisse, unhaltbare System der gegenseitigen Vergewaltigung und all die verbissenen Plänkeleien, die keines der Vőlker zur ruhigen Selbstentwickelung belangen lassen.

 

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Abgesehen davon, dass sich in Ungarn wie anderswo so manches űberlebte, vieles einer heilsamen Correktur bedarf - alles dem unläugbaren Fortschritt und der unaufhaltbaren Strőmung der allgemeinen Anschauungsweise anzupassen ist und immer anzupassen sein wird: erscheint uns jeder staatsrechtliche Ausgleich ohne nationaler Versőhnung wie ein Schiff, welches zur Beruhigung der tobenden Wellen Vorrath an Oehl in seinem Kiele fűhrt. - Derartige Vőlkerbeglűckungstheorien kommen uns vor, wie Leidenstationen, wo an so mancher Haltestelle kein geringer Theil der geistigen und materiellen Schätze der Vőlker begraben liegt.

Wer in Oesterreich auf die Rechte der geografisch verzeichneten Länder das grősste Gewicht legt, und nur von diesem Standpunkte sein specielles Vaterland befriedigen und das Reich konsolidiren will, ohne die etnografischen Verhältnisse zu berűcksichtigen, begeht einen Fehlgriff, der nur durch die beste Absicht entschuldigt werden kann.

Frankreich, Italien, Spanien, England und Deutschland sind Nationalstaaten, wogegen Oesterreich-Ungarn, Russland und die Tűrkei Staaten der Nationalitäten sind. Die ersteren sollen und műssen centralisiren, um sich als Nationalstaaten zu kräftigen und zu wahren, während die letztern nur durch die ausgedehnteste Decentralisirung respektive durch die vollste Befriedigung und Főrderung jedes seiner einzelnen Vőlker eine geregelte, billige Wirthschaft, durch gegenseitige Wahrung der Interessen aller eine mächtige verlässliche Wehrkraft, durch Schonung volksthűmlicher Institutionen Liebe fűr's engere und

 

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Anhänglichkeit an's weitere Vaterland und durch auf freier Bahn gepflogener Uebereinkunft der eigenen und gemeinsamen Angelegenheiten, ein einheitliches Vorgehen und die damit eng verbundene Machtstellung erzielen kőnnen.

In Oesterreich lässt sich auf die Dauer hin nicht mit Länderrechten operiren, seit die Vőlker ihre Rechte zur Geltung zu bringen streben.

Das sprűchwőrtliche divide und impera hat seinen ganz natűrlichen Ursprung, zu dessen Erfindung es nicht erst eines Schlaukopfs im Cabinete bedurfte. Die andere Nationalitäten negirenden Freunde und Vertheidiger der Landes- und Staatsrechte haben gewiss keinen geringen Antheil an der so langen Ausbeute dieses grundsätzlich verwerflichen Systems.

Die ewige Furcht vor Entnationalisirung und Vergewaltigung lässt keines der Vőlker Oesterreichs schlafen, und da ihnen der heimatliche Boden nicht die hinreichenden Garantien zu ihrer Selbstbestimmung und ungetrűbten nationalen Entwickelung gewährt: so ist es nicht zu wundern, dass schon seit so und so viel Jahren sich die pangermanischen Brűder im Westen des Reiches tummeln, während den Slaven im Osten zugemuthet wird, dass sie bald offen, bald geheimnissvoll Grusse wechseln, und die panslavistischen Ideen nach und nach greifbarere Gestalten anzunehmen drohen.

Die Folge davon ist die Zerfahrenheit der inneren Zustände und die Abhängigkeit von äusseren Verhältnissen, die sich das Unfertige zu Nutzen machen und den auf allen Enden angehäuften Zűndstoff der einzelnen nationalen Vulkane zum Ausbruch kommen

 

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lassen kőnnen. In solcher Lage ist ein echt konstitutionelles Regime gar nicht denkbar, wesshalb wir auch seit Einfűhrung desselben nur seinen Schein geniessen.

Die ewigen in neuester Zeit so sehr beliebten Combinationen, ob Oesterreich mehr deutsch als slavisch oder umgekehrt sein soll, verursacht vielen Patrioten so viel Kopfschmerzen, dass sie darűber an Oesterreich ganz und gar vergessen und dennoch liegt es sonnenklar auf der Hand, dass es weder so noch so in űberschrittlicher Weise sein darf, ohne seine Existenz in Frage zu stellen, und die Katastrofe des Slavogermanischen Racenkampfes her beizufűhren.

Man hat vor nicht langer Zeit die Idee des wahren Oesterreichthums verpőnt, und sich wohlgefällig in die eigene staatsrechtliche Individualität eingelebt, ohne zu bedenken, dass man űberall namentlich in Bőhmen den leibhaftigen Januskopf gebar. Was nun die eigenen Augen seh'n zeigt sich den andern um so mehr im entgegengesetzten Lichte, da das auf politisch staatsrechtlichem Grunde erbaute eigene Haus keine verrűckbare Wendung zulässt.

Desshalb klammern sich die Deutschen unseres Vaterlandes so sehr an den Reichsrath an und streben demselben das heimatliche Recht zu cediren, trotzdem mancher von ihnen die Ueberzeugung hegen mag, dass er damit eine vertheuerte Miethe bezahlt. Sie in Folge dessen separastischer Gelűste oder wohl gar des Verrathes an unserem Vaterlande zeihen zu wollen, wäre mindestens gesagt zu vorseilig

 

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und es ist nicht anzunehmen, dass sie nicht eben so aufrichtig das Reich zu konsolidiren wűnschen, wie wir es fort und fort als das einzige Asyl unserer nationalen Existenz proklamiren.

Vom Zerfalle Oesterreichs zu reden, und darauf hin seine staatsrechtliche Individualität planen zu wollen, hiesse rein den gesunden Verstand zu verlieren, oder sich der Verzweiflung zu ergeben, wenn man bedenkt, welche Eruptionen der Vőlkermassen vorhergeh'n und was fűr europäische Convulsionen stattfinden műssten, bevor sich die Strőmungen klar und die unabsehbaren Formationen krystallisiren wűrden. Zudem kőnnte in solchem Falle, den Gott verhűten mőge, am allerwenigsten von einer staatsrechlichen Individualität die Rede sein, und eine rein čechoslavische kaum aus solchen Verhältnissen erstehen kőnnen.

Es ist nicht unsere Absicht das Wenn und Aber des Breiten zu erőrtern, es műsste uns in's Infinitum fűhren, wenn wir alle Mőglichkeiten vorfűhren wollten, die ein liebgewordenes Ideal realisirbar erscheinen liessen. Das alles sind Träume von Zahlen, die nach der Ziehung den Setzer nur allzu frűh enttäuschen, und den konsequenten Spieler um den Rest seines Vermőgens bringen kőnnen.

So lange man auf Pergamente schrieb, die grossen Vőlker sich noch wenig kannten, und die kleinen ihre Kräfte fűr Tausend Sonderinteressen ihrer Machthaber unheilvoll zersplitterten; - Erbschaften Staaten schufen, oder das blutige Schwert dieselben rűcksichtslos formirte; - ganze Länder verschenkt und die Menschen als Zugabe mitvergeben werden

 

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konnten; ja so lange, und da brauchen wir nur ein Menschenalter zurűck zu geh'n, es noch mőglich war im seinsollenden Interesse des sogenannten europäischen Gleichgewichtes den unsinnigsten Zuschnitt an Ländern und Vőlkern zu begeh'n: - hat allerdings das Staatsrecht entschieden und die Grenze des Machthabers konnte als das Alpha und Omega des Rechtes gelten und die Vertheidigung desselben musste den Volksbeglűckern als erstes Gebot erscheinen. Heute jedoch, wo grosse Nationen sich genau kennen und zur vollen Geltung ihrer Selbstwűrde gelangt sind, wo jede Regung im Umfange eines ganzen Welttheils direkte oder indirekte Verwicklungen und Beziehungen hervorruft, wo die kleinsten Nationen im Bewusstsein ihrer nationalen Berechtigung jede gewaltsame Antastung derselben entschieden zurűckweisen, wo weniger die Congresse als die Parlamente die Wagschale in der Hand haben, wo die achtunggebietende freiheitliche Emancipation der Vőlker mehr weniger die staatlichen Formationen zu verrűcken droht, um sie auf die natűrlichere Bahn der nationalen Főderation zu drängen; wo mit einem Worte ein jedes Volk sich als gesonderter ganzer Kőrper, als sprachliches Individuum auf der Bűhne der Weltthätigkeit bewegen, durchaus aber nicht als Staffage eines willkűhrlich geschaffenen staatsrechlichen Länderkomplexes im Legikon der Vőlker in Evidenz gehalten wissen will: - heute sagen wir, wo die ganze civilisirte Welt die Verwirkungstheorie perhorrescirt und űber jede Vergewaltigung unmuthsvoll den Stab bricht, wo dem einzelnen Menschen, geschweige denn ganzen Vőlkern

 

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das Selbstbestimmungsrecht nicht abgesprochen werden kann: dűrfen wir wohl der nationalen Versőhnung und staatsrechtlichen Verständigungspolitik auf Rechnung der nur auf Basis der Gewalt beruhenden Staatspolitik das beste Prognostikon fűr die Zukunft stellen.

Die Schweiz wäre gewiss schon von der Karte längst verwischt, wenn sie nicht im freiheitlichsten Sinne die von uns befűrwortete Politik triebe. Dort haben sich kleine Bruchtheile dreier grosser Nationen főderirt und erhalten sich machtgebietend ohne Sehnsucht nach der Wiege ihrer grossen Mutterländer. -

Oesterreich war seit jeher ein centralisirter Zwitter zwischen Főderativ- und Bundesstaat, nur mit dem Unterschiede, dass diese Verbindung Staaten und Länder; nicht aber Nationen geschlossen haben. In unseren Zeiten handelt es sich weniger um Länder als um Nationalitätsrechte und da ist Oesterreich ganz darnach angethan, auf Grundlage dieses einzig gerechten und der Menschheit wűrdigen Faktors die grősste monarchische Schweiz der Welt zu werden und sich mit dem Zauber und Machtworte der Nationalitätspolitik auf's kräftigste und dauerndste zu konsolidiren. -

Als sich noch Oesterreich's Vőlker in patrialchalischen Träumen wiegten, und von ihrer berechtigten Eigenart blos leise Ahnungen und fromme Anwandlungen hatten, war die länderliche Politik ganz am Platze, während jetzt absolut nur die Nationalitätspolitik dem Reiche Kraft und Nutzen bringen und die Vőlker befriedigen kann.

Wir sind weit entfernt, die Vergangenheit ganz

 

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und gar zu ignoriren, alles aus Rand und Band zu heben, Bestehendes vehement űber's Knie zu brechen, ja wohl gar die mit so viel Gut und Blut getränkten Grenzsteine auszuschaufeln - - Gott beschűtze! lm Gegentheile, wir mőchten noch einige hinzufűgen, um vor der Hand an die Schwelle der Nationalitätspolitik zu treten. Wir wűrden in allen Ländern, wo mehrere nationale Individualitäten sich befinden, diese in administrativer und kultűr eller Beziehung vollkommen von einander trennen und ihnen durch strengste Handhabung und Wűrdigung aller ihrer natűrlichen Kräfte das Bewusstsein geben, dass sie einem Reiche angehőren, welches das Conglomerat der Eigentheile mit dem Reifen gesunder Handelspolitik und erspriesslicher Finanzwirthschaft umfasst und sie mit seiner tűchtigen Wehrkraft zu Land und zu Meere nach Aussen zu schűtzen versteht.

Es war uns seit jeher niclnt recht einleuchtend, wie sich die Staatsrechtler Oesterreich als Főderativstaat vorstellen. Sollen sich die zur Stunde durcsh Erbschaft, Erheirathung, Theilung, Eroberung und Zutritt gruppirten Länder főderiren oder die Vőlker?

Das Selbstbestimmungsrecht kőnnen doch nur Vőlker ansprechen und dieses Befugniss kann sich fűglich nicht weiter ausdehnen, aIs die Grenze ihrer Zunge reicht.

Wenn von zwei oder mehreren Nationalitäten eine staatsrechtliche Gruppe gebildet werden soll, műssen unbedingt frűher die Nationalitäten sich űber ihr gegenseitiges Verhältniss vollkommen einversteh'n,

 

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respektive sie műssen sich national főderiren, bevor sie dies mit Erfolg und auf die Dauer staatsrechtlich zu thun im Stande sind. - Länder der gemischtesten Bevőlkerungen kőnnen als Kőnigreiche, Herzogthűmer oder Grafschaften Schutz und Trutzbűndnisse schliessen, als Bundesstaaten sich formiren, ja sie kőnnen auf Macht und Gewalt gegrűndete Einheitsstaaten werden, so lange sie die Zwangsjacke ihres historisch oft schwer genug durchlebten Verhältnisses tragen: aber foderiren kőnnen sie sich nie! - Das műssen die Vőlker unbekűmmert um die staatsrechtlichen Grenzen mit Lust und Liebe, mit Ueberzeugung gestűtzt auf gegenseitigen Vortheil auf der freien Bahn wohlerwogener Uebereinkunft thun.

Man beliebt zu behaupten, dass Vőlker besteh'n, und die Rechte nie erlőschen. Dergleichen wohlgemeinte Aussprűche und beruhigende Trostsätze haben aber noch kein Volk beglűckt; im Gegentheile manches in sanguinische Theorien so verrannt, dass ihm darűber die praktische Ausbeute seiner brachliegenden Kräfte abhanden gekommen ist.

Wir sind wahrhaftig die letzfen, die die Rechte unseres Volkes um das kleinste werthvolle Atom geschmälert wissen wollen, und wűrden selbe jederzeit, sei es wo immer und gegen wen immer bis auf's Messer vertheidigen; nur műssen wir die Lenker unseres Geschickes aufmerksam machen, dass es verschiedene Wege giebt, die zu gleichem Ziele fűhren.

Uns schweben Nebelbilder grosser Vőlker vor, die nicht mehr besteh'n - wir sahen so manches

 

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Recht im Feuer verlodern und gedenken seit unserer Jugend die Karte von Europa in mehreren namhaft korrigirten Auflagen, wornach wir ohne Gefahr feiger und missmuthiger Anschauungsweise geziehen zu werden an der Ewigkeit alles Bestehenden einigen Zweifel erheben kőnnten; wir thun es aber nicht und nehmen gläubig an, dass Vőlker besteh'n und Rechte nie erlőschen.

Woher also das Sträuben an Aktionen Theil zu nehmen, bei denen man unläugbar doch etwas fűr sein Vaterland und fűr sein Volk thun kann? -

Das ist nicht recht begreiflich.

Ist es die Furcht den Rechten des Volkes dadurch zu vergeben; oder die Gefahr, dasselbe der Vergänglichkeit preiszugeben? -

Das ist unserern Bewusstsein nach nicht anzunehmen und hiesse an der Unverwirkbarkeit der Rechte und an dem Fortbestande der Vőlker zweifeln.

Ist es die feste Ueberzeugung, dass man ganz und gar nichts wirken, auf ganz und gar nichts Einfluss nehmen, ganz und gar nichts verhindern oder mőglicher Weise nach gewűnschten Intensionen durchsetzen kann? -

Das glauben wir wird Niemand behaupten wollen. Ist es die gegrűndete Hoffnung nur so und nicht anders zum Ziele zu gelangen?

Das wäre ein űberműthiger Glaube auf die Unfehlbarkeit eigener Berechnungen.

Ist es Trotz - Rechtaberei? -

Das wären unwűrdige Beweggrűnde.

Ist es ein Experiment -- ein Schachzug?

Das wäre nicht glűcklich gewählt, da langdauernde

 

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Schachzűge gewőhnlich den eigenen Kőnig matt machen.

Ist es Hoffnungslosigkeit, je die Majorität in irgend einer Richtung zu erhalten?

Dem widersprechen Vertretungen anderer Länder und hauptsächlichst unsere eigene Erfahrung. Halten wir uns fűr zu schwach oder fűr unfähig den momentan ungleichen Kampf aufzunehmen? -

Kraft und Fähigkeit spricht uns auch der ärgste Feind nicht ab.

Ist das gegenseitige Lager so felsenfest, dass von keiner Seite Bresche geschossen, und ein Theil desselben zu unseren Gunsten ausgebeutet werden kőnnte? -

Gegenűber einer derartigen uneinnehmbaren Position kőnnten wir so manchen Wankelmuth in den Reihen ihrer Besatzung verzeichnen, von der kein geringer Theil die Windrichtung zn seinem Ausfallsthore macht.

Ist es Hazard um Alles oder Nichts? -

Das kőnnte Niemand verantworten! -

Was also ist es, was uns so irritirt und uns so entsetzliche Sorgen um die Existenz unseres Volkes macht, da ja die Vőlker besteh'n und die Rechte nie erlőschen?

Diese Frage muss ohne Hinterhalt und freiműthig beantwortet werden.

Uns scheint, dass die eigenthűmliche Stellung unseres Vaterlandes von beiden Nationalitäten gleichmässig getheilt wird. Es ist kein Zweifel, dass die Wechselwirkung in diesen beiden Elementen zu gross ist,

 

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als dass sie sich ohne unabsehbaren Verlusten an ihren schőnsten Kräften von einander trennen kőnnten.

Wir wollen nicht darauf hinweisen, dass beide Nationalitäten mit wenig Ausnahmen Anhänger der katholischen Kirche sind und in tausend verwandtschaftlichen Beziehungen mit einander steh'n; auch wollen wir nicht besonders hervorheben, dass geschäftliche Rűcksichten sie gegenseitig zur Einhaltung des besten Einverständnisses verpflichten; nebstdem wollen wir nur nebenbei erwähnt haben, dass ihnen die wohnlichen Verhältnisse Verträglichkeit gebiethen und die Wohlfahrt beider Theile es unabweislich fordert, sich zur gesicherten Existenz ihr Haus mit aller Klugheit zu beiderseitiger Zufriedenheit mőglichst bequem aufzubauen und einzurichten. Wir kőnnten noch Grűnde, die schärferer Natur sind anfűhren, und so manches űber Liebe zum Vaterlande - űber gewohntes Beisammensein - űber Achtung vor Recht und Billigkeit sprechen; aber wir thu'n es nicht; so lange es uns nicht gelingt, aus den Blűthen der nationalen Versőhnung und staatsrechtlicher Verständigung einen so grossen Friedenskranz zu flechten, mit dem wir so gerne unser ganzes Vaterland eingerahmt wissen mőchten.

Die Diplomatie ist falsch - die Politik ist schlau und egoistisch - die Gewalt riecht nach Blut und Eisen.

Mit allen diesen Mitteln wird es sich um unser Vaterland handeln.

Die zwei grőssten Nationen unseres Welttheils werden sich an dem Herzen unseres Vaterlandes wärmen und da die Scheidewand ihrer Race aufbauen

 

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wollen, wenn wir die Missverständnisse nicht bald beseitigen und uns nicht vor der Thorsperre űber, den Grund und die Dachung unseres Hauses verständigen und versőhnt in dasselbe einziehen.

Zerfahrene Verhältnisse kőnnen nie lange dauern, und rächen sich immer an dem, der sie herbeigefűhrt. Wer nicht hiezu thut, um sie zu ordnen, muss ein weites Gewissen haben. Recriminationen wären nicht am Platze; wir kőnnten sie auch keiner Seite machen, weil wir genau den Verlauf kennen und die tiefste Ueberzeugung haben, dass es bei gleichen Umständen űberall so hätte kommen műssen, da jede Gährung ihren Process durchmachen muss. Jetzt ist es aber hőchste Zeit das Produkt zu űberstellen, wenn es nicht in unbrauchhare Fäulniss űbergehen soll, die dann mit Blut und Eisen aufgefrischt, dasselbe geniessbar machen kőnnte.

Sollte ein Cavour Deutschlands noch weiter geh'n, um uns Bőhmen slavischer Zunge zu Heloten seines Reiches machen zu wollen; wer steht dafűr, dass nicht Russland frűher oder später seinen Bismark gebärt, der die deutsche Bevőlkerung unseres Vaterlandes zu Bannenträgern seines Carenthums zu verdammen fűr gut finden wird?

Und diesern zweischneidigen Schwerte sollen wir uns zum massacre preisgeben, um auf dem Grabe eines oder des andern die Antipathien und Misverständnisse zu verkőrpern, von denen unsere Vorfahren keine Ahnung hatten?

Dem Zufalle - dem Glűcke der Waffen sollen wir die Entscheidung űber das Schicksal unseres Landes űberlassen?

 

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Von der vertilgenden Hand der Macht und der Gewalt sollen wir die Berechtigung unserer Eigenart abhängig machen; ja wohl gar im Kampfe der Entscheidung all unsere so lange und mit so vielen Műhen und Sorgen aufgehäuften geistigen und materiellen Reichthűmer zerstőren und Brust an Brust au eigenem Boden uns um den Sieg zerfleischen?

Wo ist der wahre Freund des Volkes, der kűhl bis an's Herz einer solchen Catastrofe entgegen sehen kőnnte?

Und das steht uns bevor, wenn wir noch lange in der Unversőhnlichkeit verharren und nicht den Schlűssel zur Verständigung finden.

Das Beste liegt gewőhnlich am nächsten; da aber die meisten Menschen den Kopf etwas zu hoch tragen, so wird es von ihnen oft űbergangen, wenn nicht in den Boden getreten: gerade so wie man anderswo mittelmässigen Sehenswűrdigkeiten volle Aufmerksamkeit zu schenken pflegt, während man die Kunstwerke in der eigenen Heimat kaum dem Namen nach kennt.

Das scheint auch hier der Fall zu sein.

Es wird immer hohe Politik getrieben, von den Deutschen nicht weniger als von uns. Sie schreiten uns űber die Kőpfe ohne unsere Linie durchbrochen zu haben und in beiden Lagern wird so lange mit Knalleffekten rumort, bis endlich die Funken zur lichterlohen Flamme werden. Darrn wird es zu spät sein den vertretenen Schlűssel zu finden; und doch ist er so nah' und ist ganz geeignet uns den Tempel zu allen unseren Wűnschen zu őffnen.

Aus der nationalen Versőhnung kőnnten ihn

 

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zwei gleichberechtigte Vőlker am Ambos der staatsrechtlichen Verständigung schmieden.

Sammelt euch denn und geht versőhnt an das schőnste der Werke und habt ihr das eigene Haus geordnet und bestellt, lehnt euch vertrauungsvoll an Oesterreich an, das trotz der vielen Stűrme die Vorsehung aufrecht hält, damit es der Hort eurer Existenz und eurer Freiheit sei.

"Viribus unitis!"

"Auf freier Bahn!"

 

*

"Gleiches Recht fűr Alle!" sprach der Kaiser,

macht den Ausspruch auch zur vollen That:

ziert das eig'ne Haus mit Friedensreiser

windend es vereint um seinen Staat.

Habt ihr so ein starkes Reich gegrűndet,

euch verständigt - aufrichtigst versőhnt:

hőrt den Herold, der's der Welt verkűndet,

es das freie Reich der Vőlker nennt.

Darum Patrioten eilt zur Stätte -

stellt euch an - bereit der Ambos steht,

schmiedet rasch den Schlűssel um die Wette,

auf dass machtvoll Oesterreich's Fahne weht!! -

 

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Zum Schlusse sei es uns erlaubt, mit einigen Worten unsere Ansprűche zu formuliren. Zu diesem Behufe wiederholen wir eine Stelle des bereits Gesagten, dass wir nämlich einem Reiche angehőren wollen, welches das Conglomerat der Eigentheile mit dem Reifen gesunder Handelspolitik und erspriesslicher Finanzwirthschaft umfasst und uns mit seiner tűchtigen Wehrkraft nach Aussen zu schűtzen

 

 

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versteht mit dem Zusatze, dass wir als staatsrechtlich gegliederte Vőlkergruppe im engeren Vaterlande durch ein Nationalitätsgesetz nach Kurien geschűtzt, an einer beiden Theilen gleich gerechten Universität gebildet zu werden und durch einen von der Krone berufenen Hofkanzler (Landesminister) im Ministerrathe vertreten zu sein wűnschen, dem die Krőnung die Weihe geben wűrde. -

Zur Verwirklichung der aufrichtig gemeinten Worte mőgen gerecht und vorurtheilsfrei denkende Patrioten beider Nationalitäten so lange nach allen Richtungen hin mit selbstloser Hingebung kraftigst beitragen, um die Dissonanzen in allen Lagern zu lősen, bis ihnen die Harmonie gelungen! -;

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